Ewiges Leben

Porträts & Exposés


Fabjan Hafner wäre am 8. Juni 2016 fünfzig Jahre alt geworden, am 8. April 2016 stellte er im Facebook kommentarlos dieses Profilbild ein, nach Sonnenuntergang † am 10. Mai 2016. Ja, er war ein Kärntner slowenischer Schriftsteller, Lyriker, Literaturwissenschaftler und Übersetzer und noch vieles, sehr sehr vieles mehr. Also geboren am 8. Juni 1966 in Klagenfurt wuchs er im zweisprachigen Kärntner Rosental im Ort Suetschach in der Gemeinde Feistritz (Bistrica v Rožu) auf. Sein Vater Markus war Schneider und Lehrer, seine Mutter Margarethe Schneiderin. Erst als Gymnasiast in Klagenfurt entdeckte Fabjan Hafner die slowenische Sprache und er brachte sie sich und ihre Literatur autodidaktisch bei. Nach der Matura studierte er von 1984 bis 1992 Germanistik und Slawistik an der Karl-Franzens-Universität in Graz. 1992 heiratete er die Übersetzerin und Dolmetscherin Zdenka Hafner-Čelan und Vater er wurde Vater zweier Töchter, Tasja und Anja. Bereits in der Klagenfurter Schulzeit begann Fabjan Hafner Gedichte zu veröffentlichen und zu übersetzen. In der Grazer Zeit vertiefte er sein Sprach- und Übersetzungsstudium, später hielt er regelmäßig Übersetzungsseminare an den Universitäten in Graz, Klagenfurt und Ljubljana.  1992 - 1997 wirkte er als österreichischer Lektor am Institut für Germanistik der Universität Ljubljana. Von 1998 bis zu seinem Tod war er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Robert-Musil-Instituts / Kärntner Literaturarchivs an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Seine literaturwissenschaftliche Hauptarbeit galt Peter Handke, die 2006 an der Universität Klagenfurt approbierte Doktorarbeit erschien 2008 unter dem Titel "Peter Handke. Unterwegs ins Neunte Land" als Buch beim Hanser-Verlag. Insgesamt veröffentlichte Fabjan Hafner 30 Übersetzungen in Buchform und mehr als 150 in internationalen Literaturzeitschriften, er übersetzte vor allem aus dem Slowenischen, aber auch aus dem Kroatischen und Serbischen ins Deutsche. Ausgezeichnet wurde er dafür mit dem Petrarca-Preis (1990), dem Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung (2006), mit dem Preis für europäische Poesie der Stadt Münster (2007) und mit dem Lavrin-Preis des slowenischen Übersetzerverbands (2014). Er veröffentlichte drei Gedichtbände, - "Indigo" (Drava, 1988), "Gelichter + Lichtes" (Droschl, 1991) und "Freisprechanlage" (Drava, 2001), später litt die eigene lyrische Produktion unter der Alltagsfron am Musil-Institut, er schrieb nur mehr für die Schublade. Posthume "Erste und letzte Gedichte" slowenisch und deutsch herauszugeben, zu übertragen und mit einem Vorwort zu versehen, gab (2020 bei Suhrkamp) der Literaturnobelpreisträger Peter Handke sich und dem Dichter die Ehre. Schwer zu beschreiben ist die Rolle Fabjan Hafners als Mittelpunkt des sogenannten literarischen Lebens, als Anlaufstelle für alles und jeden, in der er sich verausgabte, dort am Bahnhofsvorplatz von Klagenfurt/Celovec. Den wenigstens man nach ihm hätte benennen können, statt der winzigen Fabjan-Hafner-Passage, die seit September 2019 seinen Namen trägt.