Ewiges Leben

Porträts & Exposés


Karl Fanta - ein dreifacher Doktor

 

 

„VIP“-Beitrag zur Festschrift 150 Jahre Lichtenfels Gymnasium

 

Klasse 8a, Jahrgang 1949                     

 

 

 

Hofrat Dipl. Ing. Mag. DDDr. Karl Fanta, geb. 05.02.1931 in Graz als Sohn von Hofrat Dipl. Ing. Karl und Luise Fanta, in der Familie auch sein Bruder Dr. Julius Fanta, späterer Tierarzt in Neumarkt. Aus der beengten elterlichen Stadtwohnung siedelte die Familie 1937 in eine geräumige Wohnung, im Geidorfviertel in bevorzugter grüner Umgebung. Hier verlebten die Brüder gemeinsam ihre Schulzeit, die für Karl 1949 mit der Matura im BRG Lichtenfels zu Ende ging.

Während des Zweiten Weltkrieges war der Schulbetrieb mehrere Male unterbrochen. Am ersten November 1944 zerstörte der erste amerikanische Groß-Luftangriff weite Teile der Stadt. Auf Waggondächern angeklammert flüchteten die Mutter, der ältere Bruder Julius und der damals 13-Jährige nach Zeutschach bei Neumarkt in der Obersteiermark, wo die Eltern einen großen Bauernhof erworben hatten.

Erst im Herbst 1945 setzte die Schulzeit im Lichtenfels-Gymnasium wieder ein. Karl Fanta bezeichnet heute noch diese acht Jahre am Lichtenfels–Gymnasium als die schönsten und interessantesten seines Lebens. Er führt dies auf die kollegiale Verbundenheit seiner Mitschüler, aber auch der Professoren untereinander zurück. Persönlichkeiten wie Frau Prof. Lind (Englisch) und Prof. Schediwy (Deutsch) sind ihm besonders im Gedächtnis geblieben. Von seinen Mitschülern schätzt er heute noch Persönlichkeiten wie Philipp Harnoncourt, Helmut Häusler, Gebhard Kranz und Federik Mirdita wegen ihrer zeitgemäßen Lebensauffassungen; auch an Horst Biemann und Georg Winkler erinnert er sich gut. Diese angenehme Atmosphäre fand mit der Matura, die er mit Auszeichnung bestanden hatte, ein Ende und wich dem härteren Klima an der Technischen Hochschule Graz, wo er, der nachdrücklichen Empfehlung seines Vaters folgend, Bauingenieurwesen studierte und 1956 als Diplom-Ingenieur abschloss. Karl Fanta konnte die Kontakte seines Vaters als leitenden Beamten in der steiermärkischen Landesregierung nützen und 1957 eine Stelle im technischen Dienst des Landes Kärnten, dem Wasserbauamt in Spittal/Drau, dann in Villach erhalten.

In Zeutschach lernte er Zita Ehgartner kennen, mit der er seit 1957 verheiratet ist.

Die sehr bemerkenswerte berufliche Laufbahn Karl Fantas im Kärntner Landesdienst brachte ihm die Titel „Oberbaurat“, schließlich „Hofrat“ ein. Über lange Jahre hatte Karl Fanta die Leitung der Abteilung für das gesamte Wasserbauwesen im Bundesland Kärnten. Seine Aufgabe während seiner Zeit in Villach war die Wildwasserverbauung im Lesachtal, danach war er maßgeblich für die Ringkanalisation der Kärntner Seen verantwortlich. Am Ende seiner Karriere als Abteilungsleiter in Klagenfurt stand die Abwassersanierung der Papierfabriken in Kärnten im Fokus seiner Funktionen. Um seine Qualifikation für diese Aufgabe zu verbessern, absolvierte er ein Doktoratsstudium an der Technischen Universität Graz, das er 1984 mit einer Dissertation über die biologische und chemische Abwasserreinigung am Beispiel der Papierfabrik Frantschach im Lavantal und der Promotion als Doktor der Technik erfolgreich beendete.

Der Expertenstatus brachte ihm letztlich paradoxerweise nicht den mit Recht erwarteten Erfolg. 1990 war seine frühzeitige Pensionierung die Folge einer Kontroverse mit dem amtierenden Landeshauptmann, der alle Papierfabriken in Kärnten schließen ließ, für deren Weiterexistenz nach perfekter ökologischer Sanierung sich der zuständige Spitzenbeamte im Landesdienst, Hofrat Dr. Karl Fanta, vergeblich mit seiner ganzen Kraft eingesetzt hatte.

Nach seiner Pensionierung und Übersiedlung nach Wien begann für Fanta sein Drittes Leben: Schon seit der frühen Jugend galt sein Interesse der Musik, der Literatur, dem Theater, fernen Ländern, besonders aber der Geschichte. Nun konnte er sich allein diesen seinen Neigungen intensiv widmen. Dabei entwickelte er einen unglaublichen Elan: Zuerst beschloss er, das Studium der Geschichte und Völkerkunde in Angriff zu nehmen, vertiefte sich immer mehr und schloss es mit einer Diplomarbeit über die Logistik der k. u. k. Kriegsmarine im Ersten Weltkrieg und der Sponsion als Magister ab. Dankbar nahm er von da an für schriftliche Arbeiten die Hilfe seiner Gattin in Anspruch.

Ermutigt durch die gute Zusammenarbeit verfasste er bei den führenden Kriegshistorikern Univ. Prof. Dr. Manfred Rauchensteiner und Univ. Prof. Dr. Lothar Höbelt seine Dissertation über einen Vergleich der österreichisch-ungarischen und der deutschen Kriegsmarine im ersten Weltkrieg und wurde damit 1999 zum Doktor der Philosophie promoviert. Schließlich wandte er sich mit unverminderter Begeisterung dem neuen Gegenstand Theater-, Film- und Medienwissenschaft zu. Im Zusammenhang mit diesem Studium begann er im Alter von siebzig Jahren seine schriftstellerischen Neigungen und Begabungen voll auszuleben. Er schrieb 18 grandiose Theaterstücke, von denen drei unter dem Titel Genies in Buchform publiziert wurden, aber noch der Aufführung harren. Schließlich vollendete er 2014 mit seiner dritten Doktorarbeit mit dem Titel "Der Typus des Revolutionärs im Theater von Schiller und Brecht" seine theaterwissenschaftlichen Studien. Es versteht sich, dass auch diese Dissertation, wie schon die zwei vorhergegangenen, mit der Bestnote beurteilt wurde.

Heute steht er im 87. Lebensjahr; er lebt an der Seite seiner Gattin und im Kreise seiner drei Kinder und sieben Enkel, die bei ihm ein- und ausgehen, bei bester körperlicher und geistiger Gesundheit. Scherzend betont er, dass er trotz seines Alters immer noch auf zwei Beinen stehen kann sowie darüber hinaus auch vor einem mehrstündigen Spaziergang von Hietzing durch den Schlosspark von Schönbrunn bis zur Gloriette nicht zurückzuschrecken brauche. Ob er allen von uns nicht noch etwas zu sagen hat? Wir warten auf seinen ausführlichen literarischen Lebensbericht, voller spannender Details über die bahnbrechenden historischen Veränderungen und persönlichen Erlebnisse, die ihm bei seiner Arbeit, seinen Reisen durch Afrika und Asien und seinen Studien zugekommen sind.

 


                                           

Dieser Text von 2018 beruht auf einer Kürzung der nachfolgenden Lebenserinnerungen durch Walter Fanta und einer redaktionellen Bearbeitung seitens des Klassenkollegen aus der damaligen 8a aus dem Gymnasium Liebenfelsgasse Horst Biemann. Er wurde nicht zur Veröffentlichung in der Festschrift angenommen. Offenbar reichten drei Doktortitel nicht für den ViP-Status..