1999

In der ersten Jahreshälfte schließe ich mein Doktoratsstudium an der Universität Klagenfurt ab. Das Studienblatt vom 15. März 1999 gibt den 5. November 1987 als Termin der Anmeldung an – das sind mehr als elf Jahre. Von Neujahr bis Mitte Februar ziehe ich mich allein in das Haus in Tokaj zurück, um das auf beinahe tausend Seiten angewachsene Manuskript mit dem Titel „Apokryphe. Entstehung und Ende von Musils ‚Mann ohne Eigenschaften’“ fertigzustellen, das mir Kati regelrecht entreißen muss, um es in Debrecen vervielfältigen und binden zu lassen, damit ich es Anfang März doch noch endlich nach Klagenfurt schicke. Kati ist die Dissertation auch gewidmet: „A kisfeleségemnek“. Das Erstgutachten von Aspetsberger trifft am 6. Mai in der Studienabteilung ein, das Zweitgutachten von Amann ist mit 1. Juni datiert. An diesem Tag wird die formelle Beurteilung der Dissertation mit der Note „sehr gut“ ausgestellt, am 8. Juni das Rigorosenzeugnis als „mit Auszeichnung bestanden“.

Am 1. Juli 1999 findet in der Aula der Universität Klagenfurt die akademische Feier statt, auf der ich den Doktortitel verliehen bekomme und, wie in der Festfolge vermerkt, meine berüchtigte Dankesrede halte, mit der ich der Magnifizenz, einigen Eltern von Sponsierten und meinem eigenen Vater das Fest verderbe, weil ich in Überlänge – statt 5 Minuten 45 – alles zur Sprache bringe, wovon mein Herz voll ist. Trotz allem wird meine Promotionsrede unter dem Titel „Fürbitten“ in einer gekürzten redigierten Form von der Universität dann doch auch veröffentlicht.

Im Juli 1999 stellt mir die Bezirkshauptmannschaft in Murau einen neuen Reisepass mit Gültigkeit bis 2009 aus, in den auch mein Doktortitel eingetragen wird. Obwohl ich streng genommen nicht mehr in österreichischen Diensten stehe, bekomme ich vom Bundesministerium für Inneres auch wieder einen Dienstpass, der in den österreichischen Noch-Nicht-EU-Nachbarländern den Grenzübertritt erleichtert.