Heirat

Nun war ich 17 Jahre und lernte einmal en passant vor dem nachmaligen Fanta-Hause einen Generalstabshauptmann Fanta kennen, vorgestellt durch Gusti Fanta, spätere Janka. Das war mehr wie flüchtig und machte keinen Eindruck. Nachmittag war der Betreffende bei der Jause bei Tante mit seiner Mutter und Schwestern Tischnachbar von mir, der nachsichtig fragte, wie weit ich in der Weltgeschichte sei – ich war empört. War doch schon erwachsen und betrachtete das als Beleidigung. Mein anderer Nachbar, Dr. Hans Eckert, ein netter Mensch, der mir ein Bouquet ins Haus geschickt hatte, hatte nun meine volle Sympathie – der ekelhafte Hauptmann – Luft! – Ich tanzte viel – ins 17. Jahr hinüber. Gusti Fanta hatte sich indessen verlobt mit Dr. Janka, desgleichen Valerie v. Stieber mit Leutnant v. Ziegler. Erstere heiratete schon im Februar und war ich Kranzelfräulein – im rosa Seidenkleid, Trauung in der Kapuzinerkirche. Gusti war eine wunderschöne Braut, geführt von ihren beiden Brüdern. Nach der Trauung ging ich mit den beiden Offizieren. Das Diner war im Hause der Braut, sehr lustig. Der jüngere der beiden Offiziere frug mich diesmal nicht Weltgeschichte, sondern machte mir regelrecht den Hof – ich schaute ihn seit dieser Zeit anders an. Die Bälle gingen weiter, interessierten mich wenig, trotzdem ich, ohne mich zu rühmen, viel Bewerber hatte. Im Sommer war wieder Carlsbad. Daheim machte ich teils Stubenmädchenarbeit und lernte auch kochen. Die Erziehung war damals grundverschieden von heute. Als ich einmal äußerte, Lehrerin oder Gesellschafterin werden zu wollen, sagte mein Vater: „Das hieße, anderen das Brot wegnehmen.“ Wir waren eben Gutsbesitzerstöchter, die Schlossfräuleins. Ich stickte viel Gobelin, übte viel Klavier und lernte allein weiter, war viel bei Tante Hassmann, paar Theater wurden besucht, in letzteren wurde wenig geboten. So ging es bis Weihnachten 1891. Da verlobte ich mich heimlich mit Hauptmann Fanta, der in mir ein Kind sah und mich sehr liebte. Das war alles schön, aber mein Vater gab die Zustimmung nicht. Offiziere seien Schuldenmacher und keine Partie etc. Nachdem aber mein Großvater die Caution nebst einem Klavier gab, so lenkte mein Vater wieder ein, nachdem mein Mann einen regelrechten Korb bekommen hatte. Er kam 25. März das erste Mal nach Wakowitz, Ostern war Verlobung, und für mich begann nun eine schöne Zeit. Er kam jeden 2. Sonntag, musste wohl abends wieder fort, Pilsen war ja nahe. Wenn ich an diese schöne Zeit denke im Vergleich zu jetzt, erscheint mir alles als unwirklich, als wenn man von einem Märchen spricht. So sorgenlos – die jetzigen Menschen wissen nicht was Glück und Sorgenlosigkeit heißt. – So ging der Sommer hin, der Herbst kam und unsere Hochzeit wurde auf den 22. XI. 1892 festgesetzt. Ich stand wie immer um 6 Uhr früh auf, hetzte noch einmal mit den drei Hunden herum, die ich sehr liebte, dann kam mein Verlobter, abgeholt vom getreuen Anton (Kutscher) von Schaboglück. Um 11 Uhr war die Trauung, in Lametitz. Meine Schwiegermutter, Marie und Anna (Schwägerinnen) und Schwager Carl, der Zeuge war, sowie Onkel Fritsch und Dr. Janka waren anwesend. Um ½ 1 Uhr hieß es zur Bahn fahren, da der Zug ½ 2 Uhr ging – ich ging als glückliche junge Frau fort, nicht ahnend, dass ich 53 Jahre später als Bettlerin von der gleichen Station wegfuhr ins Ungewisse; wie schön das Leben doch sein kann und – wie furchtbar! –