Szenerie:
Personen: Die Frau. Der Mann.
Ort: Wie in der fünften Szene.
Einblendung von Ausschnitten aus dem Film von Wim Wenders: „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ aus dem Jahr 1971/72. Die Einblendungen zeigen wie der Tormann Bloch durch den Schiedsrichter vom Platz gestellt wird, wie er mit einer Kinokassiererin schläft, diese erdrosselt, mit dem Bus in ein Dorf fährt, sich in eine mit Männern vollbesetzte Gaststätte begibt, dort zuerst eine Runde Schnaps ausgibt, dann einem Burschen den Inhalt eines Aschenbechers ins Gesicht schüttet und damit eine Schlägerei provoziert, die sich auf der Straße fortsetzt. Er bleibt, besinnungslos geschlagen, am Boden liegen, rafft sich aber auf und läuft den anderen nach, die ihn neuerlich zusammenschlagen. Er liest in einer Zeitung wie ihm die Polizei auf die Spur kommt und geht erneut auf den Fußballplatz.
Zwei Personen, eine Frau und ein Mann, treten auf und sprechen über die Filmhandlung und den Autor des ihr zugrunde liegenden Romans.
Die Frau: Die Filmhandlung ist weitgehend autobiografisch, das spüre ich.
Der Mann: Hat Handke mit Frauen geschlafen um sie dann zu erwürgen?
Die Frau: Das nicht, aber er dürfte immerhin etwas triebhaft veranlagt sein.
Der Mann: Woraus schließt du das?
Die Frau: Nicht zuletzt aus dem Drehbuch dieses Films: Die gesamte Filmhandlung wird durch triebhaftes Tun des Protagonisten gesteuert. Ähnliches kann man auch zum Beispiel bei seiner Erzählung "Don Juan (erzählt von ihm selbst)" und bei anderen Werken von ihm beobachten.
Der Mann: Das literarische Werk eines Autors ist demnach ein Spiegelbild seiner selbst?
Die Frau: Das muss nicht immer so sein; aber bei einem Menschen wie Handke trifft diese Annahme doch, glaube ich, irgendwie zu.
Der Mann: Eine Reihe von eheähnlichen Verhältnissen Handkes mit Schauspielerinnen, denen auch zwei Töchter entsprossen sein sollen, ist bekannt.
Die Frau: Unter vorgehaltener Hand wird dann noch von einer weiteren Tochter gemunkelt, deren Mutter sich zutiefst enttäuscht von ihm abgewendet haben soll ...
Der Mann: Doch soll gerade dieses – offiziell verschwiegene – Kind Handkes eine glänzende künstlerische Karriere gestartet haben.
Der Mann: Ich frage mich nur: Warum die Heimlichtuerei? Steht es etwa mit Enttäuschung in Zusammenhang?...
Der Mann: Enttäuschung wie? Als Mann, als Mensch?
Die Frau: Oder beides.
Der Mann: Sie soll doch – über seinen Wunsch – den Zögling Tjaž ...
Die Frau: Vom Slowenischen ins Deutsche übersetzt haben ...
Der Mann: Sie? (Er zeigt eine Buchseite vor): Steht hier nicht schwarz auf weiß: Vom Slowenischen ins Deutsche übersetzt von Peter Handke?
Die Frau: Der selbst kaum slowenisch spricht?
Der Mann: Vielleicht hat’s ihm der Heilige Geist ein’geben.
Die Frau: Oder es war eben höhere Intuition. Ja, ja, es passieren Zeichen und Wunder.
Der Mann: Haben nicht schon der Hitler und der Milošević g’sagt: Der Feldherr, der die Übermacht besiegen will, muss an seine höhere Intuition glauben?
Die Frau: Wie ist es denn nun eigentlich zu diesem hypothetischen Kind gekommen?
Der Mann: Es wird wohl die Frucht dieser Zögling-Tjaž-Übersetzung gewesen sein, wo sie sich rührend bemüht hat, slowenische Sexualität für ihn ins Deutsche zu übersetzen.
Die Frau: Was an seiner Begriffsstutzigkeit gescheitert ist.
