Siegfried oder Parsifal – Erste Szene

Szenerie:

Ort: Gefängniszelle in der Festung Landsberg

Zeit: 1925
Personen: Adolf Hitler, zu Beginn auf einem Ruhebett liegend in unruhigem Schlaf sich hin und her wälzend. Richard Wagner, imaginär, in Hitlers Unterbewusstsein agierend, zu Beginn auf einem Stuhl neben ihm sitzend.

Wagner: Ich hab’s Dir schon von Jugend auf durch meine Werke eingehämmert, Adolf: Wer, so wie mein Siegfried, nicht den Untermenschen in die Schlinge gehen will, muss auf die innere Stimme hören. Tätig werden muss er; das Vernichtenswerte auch wirklich vernichten. Nicht zögern, der Not gehorchen. Mime meine ich, den tückischen Zwerg. Es ist der plastische Verfallsdämon, der sich sonst im Leben wie ein normaler Mensch benimmt. Aber er heuchelt es nur. Gibt sich bieder, wohlwollend, um schmutzigen Egoismus dahinter zu verbergen. Dient sich kriecherisch an, weil er nur so sein Ziel erreichen kann. 
Hitler (aus dem Schlaf auffahrend): Wer bist? Was sagst Du mir?
Wagner: Beruhig Dich. Bin Dein Meister. Bist mir hörig, mein Werkzeug, mein Subjekt.
Hitler: Subjekt ich? Nein!
Wagner: Von Kind auf. Erinnerst Dich an den Linzer Rienzi? Seit damals bist Du mir verfallen. Auserwählt hab ich Dich, meinem Willen dienstbar zu sein, damit Du mein Volk erlöst.
Hitler: Dein Volk?
Wagner: Das Deutsche. Auch zu dem Deinen hab ich’s gemacht. Beruhig Dich; schlaf weiter. Kommt die Stunde, so werd’ ich Dich rufen. Bist mein Faktotum; mehr nicht. Mein Handlanger. Kämpfer für meine Idee. Retter der Deutschen sollst werden. Vom Trommler zum Führer hab’ ich dich erhoben; die Weltgeschichte lege ich in Deine Hände. Wenn Du bei Deinem Revolutionsversuch am 9. November nicht gescheitert, nicht an Dir und Deinen Idealen, die in Wahrheit von mir eingepflanzt sind, verzweifelt bist, dann hast Du es mir zu verdanken, weil ich an Dir festhalte so lang Du an mich glaubst, mir gehorchst.
Hitler (in Trance): Bin nicht verzweifelt. Wiedergeborener obwohl jeder glaubt, ich hätte meine politische Zukunft verspielt.
Wagner: Auserwählt hab ich Dich zum neuen Messias, zum Führer der Deutschen Nation. Baue Dich nun zum Schriftsteller auf. Schreiben kannst Du, was Du auch schreiben magst. Ein Buch ohne Ordnung, das sich endlos wiederholt; das niemand ernst nimmt; ein Stil, den niemand versteht und das doch die höchste Verkaufszahl aller deutschen Bücher erreichen wird.
Hitler (in Trance): Der Richard bist Du, mein Idol, Gipfel meiner Zuversicht, Heiland der Deutschen.
Wagner: Beruhig Dich, schlaf weiter. Auferstanden bin ich Dir, damit Du weißt, dass ich noch da bin; den Glauben meiner Anhänger an mich zu stärken ... Die letzte Meistersinger-Demonstration in Bayreuth hat auf die Neuen Götter Deutschlands – die Weimarer Judenherrschaft – gewirkt wie der Hornruf Siegfrieds auf Alberich, den von mir zum Statthalter des Untermenschentums ernannten Räuber des Hortes. Wie ein Blitzstrahl ist sie in das Lager derer gezuckt, die schon wähnten, Deutschland auf ewig in ihrer Kralle zu halten. Retter unseres Volks sollst Du sein, das ist mein Wille. Dazu bedarf es dieses Buches "Mein Kampf", damit Du, der im Revolutionsversuch Gescheiterte, zunächst einmal literarisch, wieder auferstehst.
Hitler (in Trance): Dein Kampf, Richard, ist mit Deinem Tod noch nicht ausgekämpft. Dein Kampf ist auch Mein Kampf ... Das Einzige, was meinem Leben Sinn zu geben vermag ist Krieg. Krieg mit dem geschworenen Feind alles wahrhaft Heroischen, dem internationalen Judentum!
Wagner: Amen sag ich. Seit Urzeiten droht diese Parasitenrasse das schöpferische Germanentum durch Entzug des Welt Erbes zu vernichten. So wie Mime den Siegfried vernichten will.
Hitler (in Trance): Dem Wiener Massenelend und dem Massensterben des Weltkriegs bin ich nur mit knapper Not entronnen
Wagner: Nach Dolchstoßtragödie und Novemberverbrechen hat die jüdisch-marxistische Gewaltherrschaft – als Drahtzieher im Hintergrund – jetzt auch noch Deinen letzten verzweifelten Versuch, das Ariertum vor dem Untergang zu retten, im Blut erstickt. Welch grauenhafter Kampf steht uns also bevor. Viele Jahre werden vergehen bis das Volk zu meiner Kunst, meiner allein erlösenden Gedankenwelt, zurückfindet!
Hitler (in Trance): Mehr denn je bin ich mir heute meiner Sendung bewusst: Nicht allein solang ich lebe nur, sondern über meinen heroischen Untergang hinaus, wird meine Rolle als Welterlöser fortdauern.
Wagner: Halte Dich an meine Worte, Adolf, dann kann nichts schief gehen. Keine übereilten Ausbrüche mehr. Gemeinsam werden wir es schaffen. Verschwiegenheit ist oberstes Gebot. Der Kreis der Wissenden muss so klein als möglich sein. Er muss sich einer Geheimsprache bedienen. Das deutsche Volk wird die Erlösung vollbringen. So habe ich es im Kunstwerk der Zukunft prophezeit. Es wird seine Feinde erlösen indem es das Nichtgewollte durch die Kraft seiner Not zu einem Nichtseienden macht. Es muss als Tat des Volkes erscheinen. Vergiss aber nicht, das Volk selbst über den globalen Kampf, der über seine Zukunft entscheidet, in Unwissenheit zu lassen. Das deutsche Volk ist in Rassenfragen unentschlossen, zu wenig zielbewusst. Nicht die Deutschen an sich seien Vollstrecker, sondern nur jene, die sich von Dir in willfährige Vollstrecker verwandeln lassen. Deine Wahrheit muss von Anfang an eine verdrehte Wahrheit sein. Nicht die Wirklichkeit zählt, sondern das Regiebuch, nach dem sie zu inszenieren ist. Nach diesem ist die Welt zum Schauplatz einer apokalyptischen Entscheidungsschlacht bestimmt, den die göttliche Schöpferrasse der Wälsungen, mit der dem Schoß der Nacht und des Todes entsprungenen Vernichterrasse, den Nibelungen, auszufechten hat. Sei Dir der Tatsache bewusst, dass die Enthauptung, die Mime an Siegfried, seinem betäubten Opfer, vornehmen will, auf der großen politischen Weltbühne täglich stattfindet; unbemerkt. Der unerbittliche Weltjude kämpft für seine Herrschaft über die Völker. Kein Volk wird sich von dieser Faust an seiner Gurgel anders befreien können als durch das Schwert. (Er verschwindet.)

Hitler (aus dem Schlaf erwachend, sich im Bett aufrichtend, nachdenklich): War es ein Traum? Mir ist als wäre Richard Wagner hier gewesen. (Nach einer Pause): Kann man geistige Ideen denn überhaupt mit dem Schwert ausrotten? Wohl kaum; es sei denn in Form einer totalen Ausrottung bis zum letzten Träger einer Volksgemeinschaft und Zerstörung jeglicher Tradition. Mime zu erschlagen genügt bei weitem nicht. Wer das Nibelungenhafte aus der Welt schaffen will muss auch die anderen Unterweltskreaturen vernichten, bevor ein zweiter Hagen einen neuen Siegfried hinterrücks ermorden kann. Eines aber ist mir klar: Nur das Schwert kann, wenn denn überhaupt zur Rettung der arischen Rasse geschritten werden soll, blutige Abhilfe schaffen; dergestalt, dass die Waffe selbst zum Träger wie Verkünder und Verbreiter einer neuen geistigen Lehre wird. (Er verfällt in tiefes, tranceartiges Nachdenken.)

Wagner (neuerlich in Erscheinung tretend): Ich bin mir Deiner Unentschlossenheit gewahr geworden, Adolf. Du musst es dennoch tun; so schwer es auch sein mag. Bedenke: Die Blutschande
Hitler (in Trance): Blutschande?
Wagner: Merk es Dir: Es gibt nur eine heiligste Menschenpflicht, nämlich dafür zu sorgen, dass das Blut rein erhalten bleibt. Die seit der Entgettoisierung des Judentums grassierende Blutvergiftung durch multikulturelles Paarungsverhalten ist das Tödlichste für die Volksgemeinschaft. Die Ehe aus dem Niveau einer dauernden Rassenschande herauszuheben muss das granitene Fundament Deiner Politik sein, noch bevor Du das Schwert ziehst zur apokalyptischen Entscheidungsschlacht.
Hitler (in Trance): Wie aber kann ich ...?
Wagner: Nimm Dir Parsifal als Vorbild, das letzte, tiefgründigste meiner musikalischen Lehrstücke
Hitler (in Trance): Parsifal?
Wagner: Was denn sonst? Hast ihn nicht gehört, gesehen, studiert, in Deiner Wiener Zeit, mit Roller als Bühnenbildner?
Hitler (in Trance): Ja wirklich, das hab ich.
Wagner: Was hast daraus lernen können? Ich werd’s Dir sagen: Parsifal ist mehr als Jesus. Er ist der Super-Jesus, der eigentliche Erlöser. Jesus hatte den entscheidenden Fehler der übergroßen Milde. Weil aber nicht nur die unterdrückte Menschheit, sondern die ganze Natur sich die Erlösung vom Übel ersehnt sucht sie sich eo ipso denjenigen aus, der fähig ist, die Erlösung auch wirklich zu vollbringen. Dieser Super-Erlöser ist mein Parsifal weil er stark genug ist nicht nur der Verlockung zur Blutvermischung zu widerstehen, sondern auch die trügende Pracht des Versuchers in Trümmer zu stürzen. Er ist der Super-Held der sich nicht von einem Hagen hineinlegen lasst. Bei ihm gibt’s keine Apokalypse der reinen Menschheit weil er nicht nur rein, sondern auch clever ist. Wie hat sich die Cosima zu dieser meiner letzten und vollendetsten künstlerischen Schöpfung geäußert? Kindlich heroisch siegreich ist er, glänzend rein und stark wie Stahl.
Hitler (in Trance): Wo bleibt das Mitleid?
Wagner: Mitleid? Das ist eine jener abgeschmackten Auslegungen der katholischen Kirche. Ich hasse sie genauso inbrünstig wie es die vom Papst mit Bannflüchen belegten Helden in meinen Opern Rienzi und Tannhäuser tun. Hätte ich noch länger gelebt so wäre ich selbst - nolens volens – Stifter einer Religion, einer Nationalkirche, der Bayreuthianer, geworden.
Hitler (in Trance): Die auch die meine ist.
Wagner: Die katholische Kirche ist die Pest der Welt. Es ist ein Skandal, dass sie überhaupt noch besteht! Sie sollte den Kampf gegen den alten Jehovaglauben mit seinen Pharisäern und Geldwechslern aufnehmen. Statt dessen verhilft sie aber dem Judentum zum Sieg über die Germanen und pflegt schon über Jahrhunderte ein perfides Unterdrückungssystem des Terrors und der Heuchelei. In erster Line aber sind es die Jesuiten, die den Juden unsere Welt in die Hände spielen. Die Folgen sind katastrophal. Parsifal ist – in seiner profunden Wesenheit – Geist. Darum stürzt sich die Zerstörerrasse auf diese Quelle des Ariertums mit dem Ziel, sie zum Versiegen zu bringen.
Hitler (in Trance): Amfortas ...
Wagner: Der Gralskönig; von seiner einstigen Gottesebenbildlichkeit herabgestürzt durch einmaligen Intimverkehr mit jener Teufelsbraut, die, im Auftrag des Zauberers Klingsor, auch Parsifal, den neuen Siegfried zu Fall bringen soll. Der Held aber, durch die Not des Mitleids mit seiner Blutsgemeinschaft zu höchster Hellsichtigkeit erweckt, widersteht Kundrys Verführungskünsten, vernichtet die Satansbrut und bringt den blutenden Speer, den Klingsor dem geschändeten Amfortas geraubt, ins Heiligtum zurück.
Hitler (in Trance): Blut durch HIV vergiftet ...
Wagner: Von mir aus auch durch Evola, Syphilis und anderes. Das ist aber nicht das Problem. Die der Heilkunde geläufigen Krankheitserreger sind es nicht, die das Blut vergiften. ...
Hitler (in Trance): Sondern?
Wagner: Adolf, bitte, überlege doch! Wer ist der Bazillus, der seit Urtagen den rassereinen arischen Menschen bedroht?
Hitler (in Trance): Der Jude.
Wagner: Gott sei Dank, Adolf, dass Du das endlich begriffen hast. Du hast es doch in Deinem Buch ... wie soll’s denn heißen?
Hitler (in Trance): Mein Kampf ...
Wagner: So schön beschrieben.
Hitler (in Trance): Der schwarzhaarige Judenjunge lauert stundenlang, satanische Freude in seinem Gesicht, auf das ahnungslose Mädchen, das er mit seinem Blut schändet und damit seinem, des Mädchens, Volke raubt.
Wagner: Das hast Du sehr schön gesagt, Adolf, aber es kommt noch etwas dazu.
Hitler: Was?
Wagner: Dass bereits ein Koitus mit einem Juden oder einer Jüdin das Blut vergiftet. Du musst das gesetzlich verbieten, dass so etwas passieren kann, sobald Du an der Macht bist! Hast Du mich verstanden?
Hitler: Ja, werde ich. Trag Sorge durch Deine Bayreuthianer, dass ich auch wirklich an die Macht komme!
Wagner: Die Welt ist eine Bühne; glaub es mir. Du musst bühnenwirksam auftreten, die Aufmerksamkeit der Massen erregen. Was Du bisher getan hast ist zu wenig. Es war bizarr, aber nicht glaubwürdig. Du musst das Volk von der absoluten Notwendigkeit, uns beiden Gefolgschaft zu leisten, überzeugen. Du musst Deine Erlöser-Rolle zur absoluten Notwendigkeit stilisieren. Meine zeitlebens verfolgte Politik musst Du in das Gewand des Gottesdienstes einer geheimen Religion kleiden in dem Parsifal das Hochamt feiert, das in jedermanns Bewusstsein eine tiefe Ergriffenheit auslöst. Du musst es schaffen die Menschen bayreuthgläubig, bayreuthsüchtig zu machen. Das heilige Blutgefäß musst Du zu dem von einer wehrhaften Ritterschaft behüteten Kleinod des grunddeutschen Heilandglaubens machen. Das Mysterium meiner Kunst muss zum Allerheiligsten einer neuen völkischen Religion erhoben werden. Das alles, Adolf, musst du schaffen; sonst bist Du gescheitert! Du kannst’s nur schaffen mit Unterstützung der Bayreuthianer, deren Spiritus rector, auch mehr als vierzig Jahre nach meinem körperlichen Tod, noch immer ich bin. (Er verschwindet.)
Hitler (erwachend): War es wirklich Richard Wagner, der so im Traum zu mir sprach? Es gibt keine andere Erklärung. Mein Abgott ist er; der Erleuchtete. Blindlings folg ich ihm.