Szenerie:
Ort: Vor der Hütte. Gegen Mittag des auf die nächtlichen Ereignisse der vorhergehenden Szenen folgenden Tages.
Personen: Wolfgang. Carola. Walter. Später: Seyfried aus der Entfernung. Pfreimel. Emil. Hermine.
Wolfgang und Carola stehen schmusend vor der Hütte, Walter kommt von der Seite. Sie bemerken ihn zunächst nicht.
Walter (in einiger Entfernung stehen bleibend und die beiden betrachtend): Grüß Gott allseits. Der Friede des Herrn sei allzeit mit Euch.
Wolfgang (auffahrend): Walter! Gut dass Du da bist. (Sich aufmerksam umsehend): Wir müssen vorsichtig sein. Seyfried, dieser rasende Reporter, spuckt noch immer in der Gegend herum. Sein Auto steht noch da. Er unterstellt Dir, Du hättest den Stolzig über die Grenze gebracht.
Walter: Habe ich auch.
Wolfgang: Hat alles geklappt? Ich meine die Abholung und so.
Walter: Alles in Ordnung. Ein Italiener hat ihn erwartet. Er lässt Euch noch schön grüßen.
Walter: Ich möchte trotzdem nicht in seiner Haut stecken. Er hat mir noch einiges erzählt. Haarsträubende Dinge. Er wurde in jeder Weise missbraucht. Sieht sich als reines Opfer von Politikern, die jede Schuld von sich weisen um sie ihm anzulasten. Erschütternd auch die Gewissenlosigkeit mit der Volksvermögen verschleudert wird um daraus politisches Kapital schlagen zu können.
Wolfgang: Schwamm darüber. Es ist nicht unser Kaffee. Wir müssen uns hüten darüber zu reden. Das könnte gefährlich werden. Man kommt dann sehr leicht in den Ruf, am Verbrechen mitschuldig zu sein. Wir drei werden ohnehin bereits verdächtigt. Dafür hat schon der Seyfried gesorgt.
Carola: Stolzig hat sich zum Blitzableiter machen lassen. Er war so ungeschickt, den Anschein des Verbrechens zu kanalisieren. Auf seine Person allein zu beziehen. Das hat auch sein Gutes. Solang der Anschein auf ihn konzentriert bleibt, sind alle anderen schuldlos. Nun, da er tot ist, ist auch der Anschein - und damit nominell auch das Verbrechen - mit ihm gestorben und alle anderen, nicht zuletzt auch die Politiker, können aufatmen.
Walter: Aber Stolzig lebt ja doch.
Wolfgang: Für uns und die gesamte Öffentlichkeit ist er tot und soll es auch auf ewig bleiben.
Carola: Wenn nur der Seyfried nicht wäre!
(Aus der Entfernung ertönen laute Schmerzensschreie, dann Hilferufe Seyfrieds.)
Seyfried: Hilfe, Hilfe, Hilfe! So helft mir doch!
Wolfgang: Das muss Seyfried sein.
Walter (ihm entgegeneilend): Was ist los? Was fehlt Dir denn?
(Er lauscht angestrengt in die Ferne. Man hört Seyfried in kläglichem Ton etwas Unverständliches reden.)
Walter (zu Wolfgang und Carola gewendet): Er sagt, er wäre von einer Schlange gebissen worden. Er hätte schreckliche Schmerzen, könne sich nicht bewegen, bittet um einen Arzt. So schnell als möglich.
Wolfgang (ins Handy sprechend): Notarzt bitte ... Schlangenbiss. Sehr dringend. Fall von Bewegungslosigkeit ... Ja ... Bei der Stolzig-Hütte. Etwas unterhalb der Wegbiegung. In der Mulde. Landemöglichkeit gegeben ... (Zu Carola): Rettungshubschrauber ist schon unterwegs. Ich geh mit Walter zu ihm. Vielleicht können wir ihm helfen. Du bleibst am besten hier. (Mit Walter ab.)
Carola (ihnen nachrufend): Seid ja vorsichtig wegen der Schlangen! Für sich: Entsetzlich! Ich habe solche Angst.
(Ein von Pfreimel gelenktes Auto kommt, in dem sich auch Emil und Hermine befinden. Alle drei steigen aus und gehen auf Carola zu um sie zu begrüßen.)
Pfreimel (Carola die Hand schüttelnd): Carola, begrüße Dich! ... Was macht’s denn ihr für Sachen da heroben wenn Deine Eltern einmal eine Nacht nicht da sind? Lauter Schlagzeilen. Alle Zeitungen sind voll davon!
Carola: Was denn, wie denn? Ich weiß überhaupt von Nichts.
Pfreimel (aus einer Zeitung vorlesend): Stolzig-Almhütte in sexistisches Nacktparadies verwandelt. Schwerverbrecher Stolzig von jugendlichem “Trio infernalis” zuerst ins Ausland verschleppt, dann mit Auto in eine Schlucht gestürzt, bei lebendigem Leib verbrannt, soll aber wieder auferstanden und erneut geflüchtet sein.
Carola: Das ist der Seyfried, dieses Schwein! Jetzt hat ihn die Schlange gebissen. Das hat er davon. Ich vergönn’s ihm. (Man hört das Geräusch eines in einiger Entfernung landenden Hubschraubers.) Jetzt wird er ins Krankenhaus geflogen. Sein verdienter Lohn. Er ist einer der “wirklichen” Verbrecher!
Pfreimel: Du brauchst keine Angst zu haben, Carola. Für meine liebe Nichte tu ich alles. Nicht verzagen, Onkel Paul fragen. Ich habe persönlich mit meinem intimen Freund, dem leitenden Staatsanwalt, gesprochen. Verfahren gegen Stolzig und alle möglichen Helfershelfer niedergeschlagen. Er darf tatsächlich als tot gelten, das hat die Polizei heute früh einwandfrei festgestellt. Wahrscheinlich Selbstmord aus Verzweiflung. Mit ihm sind auch alle Verbrechen gestorben. Von einer Auferweckung kann keine Rede sein. Der Zweck seiner Kriminalisierung ist voll und ganz erreicht. Man soll die Toten ruhen lassen. Okkultismus ist Schädigung der Volksmoral und wird daher in Kürze, genauso wie Sexismus, unter Strafe gestellt.
Wolfgang (mit Walter zu den anderen kommend): Der Notarzt hat ihn mit Injektionen vollgepumpt. Er ist schon außer Lebensgefahr aber wahrscheinlich auf Wochen außer Gefecht.
Carola: Gott sei Dank; obwohl er mir andererseits auch wieder leid tut.
Walter: Er hat gebrüllt vor Schmerz. Ist dann plötzlich ohnmächtig geworden. Wahrscheinlich durch den Schock.
Wolfgang: Wir werden uns jetzt verabschieden.
Carola: Ihr wollt schon gehen? Das tut mir aber leid.
(Sie schmiegt sich an ihn und flüstert ihm etwas ins Ohr.)
Pfreimel: Nur keine Geheimnistuerei. Das müssen wir genauer besprechen.
(Er weist mit einer Handbewegung zum Gartentisch. Sie setzen sich auf dort befindliche Sitzgelegenheiten.)
Pfreimel: Vor Onkel Paul braucht Ihr nichts verbergen. Er weiß alles. Dass sich hier eine zarte Beziehung anbahnt, habe ich schon gestern bemerkt. Vielleicht sind auch die Zeitungsmeldungen von dem sexistischen Treiben in der Stolzig-Hütte nicht ganz aus der Luft gegriffen.
Walter: Da muss ich entschieden widersprechen. In Carola verehre ich die Verkörperung des idealen, reinen Mädchentums. Ich weiß auch, dass sie noch Jungfrau ist.
Pfreimel: Oho! Vielleicht noch gestern gewesen.
Carola (lachend): Nein, sie ist es auch noch heute. Aber das ist nicht so wichtig.
Emil: Ich glaube auch, dass solche Äußerlichkeiten heute keine Rolle mehr spielen. Wir leben ja nicht mehr in einer Zeit, in der die Frau dem Ehemann bedingungslos ausgeliefert und unterworfen, das heißt allein - außerhalb des Elternhauses - praktisch schutzlos war und nur die Wahl zwischen Ehe und dem Ordensschwestern-Beruf hatte. Gerechter Weise hat sich diesbezüglich in den letzten Jahrzehnten viel zugunsten der Frau verändert.
Hermine: Gott sei Dank, dass es so gekommen ist! Dass heute die Qualität einer jungen unverheirateten Frau nicht mehr nach dem Zustand einer noch oder nicht mehr vorhandenen anatomischen Jungfräulichkeit beurteilt zu werden braucht, sondern Charakter, Bildung und berufliche Fähigkeiten als Maßstab genommen werden. Carola ist ein durch und durch moderner Mensch. Viel moderner als ich es war oder sein werde. Sie hat die richtige Einstellung zum Leben. Deshalb räume ich ihr für ihre Zukunft die besten Chancen ein.
Carola: Danke, Mama. Das hast Du prima gesagt.
Walter: Auch ich bin ganz Ihrer Meinung. Nicht die Scheinmoral, sondern die echte Moral, die der liebe Gott dem Wesen „Mensch“ als seine Gnade eingeimpft hat, ist entscheidend.
Pfreimel: Trotzdem hat auch die Anatomie ihre Bedeutung. Psychologisch betrachtet. Gerade für die Frau. Sie ist dem Diktat der Natur in weit höherem Maß ausgesetzt als der Mann. Das beweist ihre Unterwerfung unter den Faktor Zeit bei Menstruation und Schwangerschaft. Die Psyche einer Frau ist im allgemeinen sensibler. Das ändert nichts daran, dass sie den Mann mit unsichtbaren Fäden wie eine Marionette manipulieren und dirigieren kann. Sexuelle Eingriffe vermögen aber - davon unabhängig - auch heute noch schwerwiegende Konsequenzen im Leben einer Frau herbeizuführen. Das betrifft auch Art und Umstände der Defloration. Es ist kein Aberwitz, dass bei vielen Naturvölkern Eheschließungen mit deflorierten Frauen ungültig sind.
Hermine: Wem sagst Du das, Paul. Als es bei mir passiert ist, war ich etwa so alt wie Carola heute. Emil und ich waren romantisch, inbrünstig, unsterblich in einander verliebt. Wir haben es vor jedermann geheim gehalten.
Carola: Wie süß.
Hermine: Es war an einem sagenumwobenen See mit einer zauberhaften Insel drin. Ich bin sofort schwanger geworden. Als es aufgeflogen ist, haben wir sogleich heiraten müssen. Emil ist nichts anderes übriggeblieben als sein Studium aufzugeben um eine Stellung in einem schlecht bezahlten Beruf anzunehmen. Nicht zuletzt auch deshalb nehmen wir heute in den Ferien mit primitiven Almhütten vorlieb. Können uns nicht einmal ein vernünftiges Auto leisten.
Wolfgang: Demgegenüber hat sich heute, obwohl es noch nicht zwanzig Jahre her ist, aber doch sehr viel geändert. Wenn Carola, in die ich - wie soll ich sagen - ganz einfach bis zum Umfallen verknallt bin – (allgemeines Schmunzeln) - in so eine Situation käme, ich meine, wenn wir zusammen ein Kind bekommen würden, dann besteht wohl keine Notwendigkeit, dass einer von uns sein Studium an den Nagel hängt.
Hermine: Natürlich nicht. Der soziale Fortschritt in dieser kurzen Zeit war eben einfach enorm. Vergiss aber nicht die Schwere der Belastung, die so ein Kleinkind, vor allem in den ersten drei Jahren, und auch später noch, für alle Beteiligten mit sich bringt. Der ganze Lebensrhythmus wird ein anderer. Die finanziellen Aufwendungen für Wohnung und Haushalt. Davon macht man sich vorher überhaupt keine richtige Vorstellung. Man muss das hautnah selbst erfahren und verspürt haben.
Pfreimel: Wie ich sehe eilt die Theorie der Praxis wieder einmal weit voraus. Noch haben wir nicht das Problem der Defloration gelöst und sind schon bei Kinder-Aufzucht- und Erziehung angelangt. Nachdem Du, lieber Wolfgang, so darf ich Dich wohl nennen, endlich die Katze aus dem Sack gelassen und Deine Liebe zu Carola offiziell erklärt hast, zählst Du sozusagen bereits zur Familie. Heute feiere ich meinen vierzigsten Geburtstag. Dazu lade ich Euch alle herzlich ein. Wir könnten gleichzeitig Verlobung feiern. Als Vorgriff auf die demnächst fällige Defloration.
Carola: Wer verlobt sich heute noch? Das ist ein alter Hut! Was die Defloration angeht, so stellt sie einen brutalen Eingriff in die Anatomie der Frau dar. Eindeutiger Sexismus. Perverser, diskriminierender Übergriff aus sexueller Gier. Degradiert betroffene Frauen zu Opfern. Wie Du selbst sagst, Onkel Paul, soll so etwas in Kürze unter Strafe gestellt werden.
Pfreimel: Wie stellst Du Dir dann - rein technisch gesehen - die Lösung des Nachwuchsproblems vor? Soll man Menschen etwa in der Retorte heranzüchten?
Carola: Diese Methode ist wissenschaftlich noch nicht ausgereift. In fernerer Zukunft könnte sie aber Standard werden. Es geht hier um der Menschheit höchstes Gut: Die Würde der Frau. Ihre sofortige und hundertprozentige Etablierung ist für jeden antisexistisch denkenden Menschen verpflichtend. Dazu ist es wohl selbstverständlich, dass die Frau, und sonst niemand, etwa mittels Internet, über die Person des Spermienspenders uneingeschränkt verfügen können muss. Die Einsetzung der befruchteten Zelle erfolgt, ohne jede organische Verletzung und frei von männlich-sexistischer Gier, hygienisch sauber auf gynäkologischem Weg. Die mittelalterliche Methode brutaler Unterwerfung, Penetrierung und Verletzung der Frau, in vertikal und sozial unterprivilegierter Position, ist bei Strafe zu verbieten!
Pfreimel: Was sagt Wolfgang zu solchen Anschlägen auf männliches Penetrationsverlangen?
Wolfgang: Meiner Information nach ist das Gesetz, welches Defloration nach herkömmlicher Manier unter Strafe stellt, glücklicherweise im Parlament noch nicht durch.
Pfreimel: Also schnell gehandelt, bevor der Gesetzgeber die Potenz sexistischer Machos umfunktioniert: In Sterilität eunuchenhaft-entrechteter Spermienspender.
Carola: “Geistige” Potenzen stehen hier zur Debatte: Für Spermien von Genies werden Superpreise bezahlt!
Hermine: Man hört von förmlichem Wucher mit Spermien berühmter Männer. Gibt es denn diesbezüglich irgendeine Erfolgsgarantie?
Wolfgang (lachend): Kaum. Es ist reine Spekulation. Die kostspieligen Bemühungen, Supergenies heranzuzüchten, können genauso gut Kretins als Ergebnisse zeitigen.
Carola: Was sicher nicht ganz auszuschließen ist. Doch darf die Vererbbarkeit von Begabungen nicht ignoriert werden ... Die Zukunft liegt aber zweifellos in der gentechnischen Veränderung. Hier bietet sich die Chance, den maßgeschneiderten Supermenschen zu kreieren.
Emil: Was für eine apokalyptische Schreckensvision! Niemand kann vorhersagen, zu welchen fatalen Missbildungen die vermessenen Manipulationen mit Genen menschlicher Embryos führen können! Von dem frivolen Spiel der Genveränderung an höchst gefährlichen Krankheitserregern, dem vielfach verbrecherische Absichten zugrunde liegen, ganz zu schweigen.
Wolfgang: Ist es vielleicht das Privileg der Superreichen, sich eine internationale Elite von Supermenschen heranzubilden, ein Gremium von Übermenschen also, das dazu berufen ist, die Welt nach eigenen Gesetzen zu regieren?
Emil: Nicht- oder Fehlmanipulierte als „Untermenschen“ zu degradieren?
Pfreimel: Also sprach Zarathustra: Gott ist tot, auf dass der Übermensch lebe!
Walter: Wieder einmal also schickt der Mensch sich an, dem lieben Gott ins Handwerk zu pfuschen, wobei er ihn, der Einfachheit halber, gleich als tot, sich selbst dafür zum Übermenschen erklärt. Für ihn gelten keine Gesetze, weil er glaubt, jenseits von Gut und Böse zu stehen. Die göttlichen Insignien: “Freiheit von irdischen Zwängen”, “Erkenntnis der letzten Dinge”, und natürlich auch das “Ewige Leben”, meint er sich “kurzerhand” aneignen zu können; aus eigener Machtvollkommenheit!
Emil: Welch ein Trugschluss! Innere Freiheit, langes Leben und geistige Reife zu erlangen ist dem Menschen, bei vernünftiger, naturgemäßer Lebensart, auch ohne künstliche Veränderung genetischer Funktionen möglich. Man hüte sich davor, die Vergewaltigung der Natur durch größenwahnsinnige Innovationen ins Uferlose zu treiben. Das Auftreten neuer, unheimlicher Krankheiten sollte ein warnendes Vorzeichen sein. Wir erleben es ja bei Rindern: Schreckgespenst BSE und Kreutzfeld-Jacob! Der Ungeist des Widernatürlichen in Ernährung und Geschlechtsverkehr spielt dabei sicher die Hauptrolle. Nicht einmal die neugeborenen Kälber dürfen am Euter der Mutter saugen! Auch der Mensch zählt zu den Säugetieren. Das kann kein gutes Ende nehmen.
Pfreimel: Dein Wort in Gottes Ohr, Emil. Menschen sind, wie Du sagst, Tiere. Von diesen unterscheiden sie sich nur durch ein übernatürlich gewachsenes - wenn auch seelenloses - Supergehirn. Seelenlosigkeit hat Haltlosigkeit zur Folge. Was verleiht dem Menschen Halt? Gesetze.
Wolfgang: Wozu sind Gesetze da? Etwa um beachtet zu werden?
Carola: Im Gegenteil. Sie sind dazu da, dass man sie auf möglichst raffinierte Art überspielt und austrickst. Man muss sich nur den “Anschein” der “Gesetzestreue” geben!
Hermine: Ist so etwas moralisch?
Pfreimel (martialisch): Herrenmoral des Übermenschen. Sie allein führt zum Sieg.
Wolfgang (lachend): Wer möchte nicht gern Sieger sein?
Hermine: Sind es nicht Ehrlichkeit und Anständigkeit, die letzten Endes siegen?
Pfreimel: Das ist Sklavenmoral. Frei nach Nietzsche, dem philosophischen Leitbild unserer Zeit.
Emil: Wer also ist der “Erste Sieger” unter den “Moralisten”?
Carola: Derjenige, der’s versteht, die eigene Kriminalität von sich weg, auf andere hinzulenken.
Pfreimel: Damit hast Du Deine geistige Reife wieder einmal schlagend bewiesen, Carola. Frauen sind in der Erkenntnis eben doch um einiges voran.
Carola: Aber auch die besseren Menschen. Es wird endlich Zeit, dass sie im Staat die Macht ergreifen.
Pfreimel: Mit Dir als Oberhaupt, Carola. Der Tag wird kommen ... (Sich erhebend): Jetzt aber auf zur Feier! ... Dich, Hermine, ausgenommen, habe ich Euch alle gestern erstmals zu Gesicht bekommen. Es war ein glückliches Zusammentreffen; wenn auch unter Auspizien, die geeignet sind, mein Erscheinungsbild in Eueren Augen zu verdunkeln. Dieses wieder ins rechte Licht zu setzen soll nun mein wichtigstes Anliegen sein ... Carola und Wolfgang, Ihr imponiert mir beide mächtig. Carola, bei Dir ist es natürlich, denn Du bist meines Geblüts. Wolfgang, Du bist ein gewitzter Bursche. Eloquent, aber auch kompetent. Hast das Herz am rechten Fleck. Walter wird unserer Feier, wie ich hoffe, seinen Segen nicht versagen.
Walter: Die letzten beiden Tage, vielmehr auch Nächte, haben es an dramatischen Ereignissen nicht fehlen lassen. Es ist nur recht und billig, den Gewitterstürmen einige frohe und besinnliche Stunden folgen zu lassen.
Pfreimel: Es können auch ein paar Tage oder Nächte sein. Geht auf meine Kosten ... Ich kenn auch so einen sagenhaften See mit Insel drin. Darauf ein phantastisches Hotel. Ein wahres Paradies; gleichermaßen für solche, die durch lange Zeit getrennt waren, wie für die, welche - scheinbar vom Zufall - zusammengeführt worden sind, weil der liebe Gott sie für einander bestimmt hat ... Dort lasst uns feiern!
Emil: Wie kommen wir hin? Ein Auto und sechs Personen?
Wolfgang: Keine Sorge. Carola und ich fahren mit Seyfrieds Wagen. Ganz legal. Der Notarzt hat mir den Schlüssel ausgehändigt.
(Alle ab.)
