Karl Fanta, Erinnerungen I, S. 18, über den Anlass für das Pensionierungsgesuch seines Onkels, Feldzeugmeister Carl Fanta
Es war beim Stapellauf des ersten Dreadnoughts der österreichischen Kriegsmarine im Jahre 1910 in Triest. Onkel Carl als Kommandant des XVI. Corps (Ragusa) war geladen. An der Feier nahm als Höchstanwesnder der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand samt seiner Frau, der Herzogin von Hohenberg, teil; Mit dieser lebte der Erzherzog in „morganatischer“ Ehe, d.h. die Ehe war kirchlich rechtsgültig, nicht aber nach den Gesetzen des Hauses Habsburg, welche nur Ehen mit Töchtern aus regierenden oder wenigstens ehemals regierenden Fürstengeschlechtern erlaubten. Die Herzogin war eine geborene Gräfin Chotek, aus einem kleinen Adelsgeschlecht, und stand als solche allen Erzherzoginnen ranglich nach. Umso eifersüchtiger wachte der Erzherzog-Thronfolger, dass seine Frau ansonsten nicht gekränkt würde – es war Ja eine ausgesprochene Liebesheirat gewesen. Bei dem erwähnten Stapellauf nun meldete sich Onkel Carl beim Erzherzog, der ihm nach einer kurzen Ansprache sagte: „Gehen Sie hinauf“ – gegen die Estrade deutend, auf der die Herzogin und andere Fürstlichkeiten sassen. Der Erzherzog wollte, dass er sich vorstellen lasse. Und Onkel Carl – blieb unschlüssig stehen, die Gelegenheit
sich vorstellen zu lassen, vorübergehen lassend; Der Erzherzog, der dies wohl bemerkte, dürfte dies, empfindlich wie er in der Hinsicht war, als Affront aufgefasst haben und es Onkel haben fühlen lassen. Denn Onkel sagte (er erzählte mir das Ganze erst 1935 und hatte früher nie darüber gesprochen), dass er gefühlt habe, der Erzherzog, der ja damals fast allmächtig war, würde ihm das nie verzeihen. Da er 40 Dienstjahre hatte, suchte er um Pensionierung an, die ihm auch, unter Vorleihung des Eisernen Kronenordens I. Klasse als seltener Auszeichnung, gewährt wurde.
