Szenerie:
Ort: Wohnung von Laurent Pétin in Paris, Rue Barbet-de-Jouy 11
Zeit: 29. Mai 1982 vor Morgengrauen, kurz nach der 1. Szene
Personen: Romy. Laurent Petin.
Romy sitzt am Schreibtisch, Laurent kommt in das Zimmer.
Laurent: Romy, Du bist noch da? Ich dachte, Du wärst schon längst im Bett. (Er blickt auf die leeren Flaschen, die vollen Aschenbecher und die Tablettenschachteln.) Du hast schon wieder zuviel getrunken und geraucht. Hast Du Aufputschmittel genommen? Du solltest doch schlafen gehen. Es ist drei Uhr früh.
Romy: Ich muss noch den Brief an das Frauenmagazin schreiben. Wo bist Du so lang gewesen?
Laurent: Bei unseren Freunden im L’amie Louis. Du warst auf einmal weg.
Romy: Ich hab es dort nicht mehr ausgehalten. Mir ist nicht besonders gut.
Laurent: Was fehlt Dir denn ? Du musst Dich mehr unter Kontrolle halten. Komm, wir gehen jetzt zu Bett. Den Brief kannst Du später schreiben.
Romy: Leg Dich ruhig schlafen. Ich kann jetzt noch nicht.
(Pause. Laurent ist im Begriff das Zimmer zu verlassen.)
Romy: Was wird aus Sarah werden, wenn ich nicht mehr bin?
Laurent (sich umwendend): Du darfst nicht so reden. Sie hat doch Daniel, ihren Vater.
Romy: David hatte auch einen Vater. Aber der war plötzlich nicht mehr und David war dann auch nicht mehr..
Laurent (wieder näher an Romy herantretend): Das mit Harry ist eine furchtbare Tragödie. Aber es ist unsinnig, dass Du es Dir so zu Herzen nimmst. Dich trifft keine Schuld an diesem entsetzlichen Ende.
Romy: Doch. Ich hätte mich irgendwie um ihn kümmern müssen. Ich habe mich in ihm getäuscht und in mir auch. Habe ihn für einen Supermann gehalten, mir und meinen ewigen Selbstzweifeln haushoch überlegen. Für einen unwahrscheinlichen Typ, dem ich angehören, der mein Eigen sein musste, koste es was es wolle. Nach der Enttäuschung mit Delon als einzige, letzte Chance erschienen. Aber er war wohl durch den unsäglichen Leidensweg im Konzentrationslager einfach unaustilgbar gezeichnet. Hat meine Mobilität, sprachliches, schauspielerisches Talent, und Dynamik in meinem Wesen, nicht mehr verkraften können. Es ist mit uns nur so lang gut gegangen als ich Hausfrau und Mutter war. Als ich wieder zu arbeiten begonnen Eskalation unvermeidlich. Ich war bemüht, ihn im französischen Film unterzubringen. Aber das ist an seiner Anpassungsunfähigkeit, Antitalent für Sprachen, gescheitert. Mit Deutsch allein kommt man eben in Frankreich und England nicht weiter. Hat sich mit seinem ungeschickten Gehabe lächerlich gemacht ... Auch bei Karajan für ihn verwendet, der ihn in Salzburg als Regisseur für Uraufführung von Hawdons Monde und Sonnen untergebracht. Aber es war eine Pleite.
Laurent: Du bist auf die Nachricht von seinem Tod hin von Acapulco nach Hamburg geflogen, hast für ihn ein anständiges Begräbnis - unter Ausschluss der Öffentlichkeit - arrangiert und alles bezahlt.
Romy: Noch viel mehr. Die Hälfte meines Vermögens, als es zur Schei¬dung gekommen. Von den unzähligen Geschenken, die ich ihm anfänglich immer wieder gemacht, ganz zu schweigen. Nach unserer Trennung auch darauf geachtet, dass ihm David nicht entfremdet wird, den ich ihm jeden Sommer, in den Ferien, geschickt, bis er zuletzt so verkommen war, dass auch das nicht mehr ging.
Laurent: Was ist mit den eins Komma vier Millionen Mark passiert, die er - nach eigener Angabe - mündelsicher für David angelegt hat?
Romy: Frag mich nicht danach! Ich weiß es nicht. Habe von diesem Geld, das ja von mir stammt, nie wieder etwas gesehen oder gehört.
Laurent: Eines wird man Harry wohl zugute halten müssen: Er war der erste Mann in Deinem Leben, der dafür gesorgt, dass das viele Geld, das Du verdient hast, nicht hinausgeworfen, sondern erhalten geblieben ist, soweit es noch da war. Zumindest so lang Euere Ehe noch Bestand hatte. Was war aber dann?
Romy: Meine Liebe zu Harry war schon Jahre vor der Scheidung tot. Das hat im Sommer 68 in Kampen auf Sylt begonnen, als er mich vor Springer und den anderen Heinis, diesen Erzkon-servativlingen mit ihren nackten Ärschen, als blöd hingestellt weil ich keine Schule hab und mir herausgenommen, für Willy Brandt zu schwärmen. Da hab ich aufgehört, seine ergebene Schülerin zu sein. Angefangen, an mir nur noch herumzunörgeln, meine banalen Filmchen zu verachten und mich als Trampel hinzustellen. Alles hab ich ihm falsch gemacht. War ihm zu impulsiv, emotional. Er wollte Professor Higgins und ich sollte seine Fair Lady sein. Das war mir einfach zu viel. Hang zu Hochmut und Selbstüberschätzung immer grotesker. Seine Jedermann-Inszenierung in Salzburg und sein Tannhäuser in Hamburg Misserfolge. Sein Tablettenkonsum gestiegen; mein Alkoholkonsum nicht minder.
Laurent: Trugschluss, Du könntest ohne ihn nicht existieren. Er war ein Popanz! Eigenliebe blind gemacht realen Dingen gegenüber. Blind auch vor Deinen künstlerischen Fähigkeiten. Selbst die Erfolgsserie in Frankreich hat ihm nicht die Augen geöffnet. Für ihn war’s nur ein Alptraum. Tödlicher Schlag gegen alles was ihm heilig: Stolz, Arroganz; Prinzipien seiner Abart von Intellektualismus.
Romy: Für mich war’s andere Art von Alptraum. Gehirnwäsche-Syndrom, das mich lang verfolgt. Noch Jahre nach der Trennung von ihm.
Laurent: Wohl Ursache Deiner albernen Furcht, von anderen bei Unziemlichem ertappt, kritisiert, in Misskredit gebracht zu werden. Hat Dich beruflich, noch mehr aber privat, in Isolation getrieben.
Romy: Beschwör es nicht! Ist tatsächlich so. Aufgeschlossen, unbeschwert sein kann ich nur mehr in engstem Freundeskreis. Sonst einfach Angst.
Laurent: Vor was?
Romy: Ich weiß es nicht. Vor mir selbst. Etwas Unbestimmtem, Unheimlichem, das mich bedroht. Personen, die ich nicht gut genug kenne. Misstraue ihnen; glaube, dass sie hinterhältig. Zittere manchmal, wenn ich nur die Blicke unbekannter Menschen spüre.
Laurent: Ausgrenzung, Phobie gegenüber dem Fremden?
Romy: Will das aber nicht. Möchte an das Gute im Menschen glauben können!
Laurent: Trintignant bei Dreharbeiten zu Le Train hemmungslose Begeisterung und preußische Disziplin bespöttelt. Wortgetreues Befolgen jeder Anweisung Granier-Deferres, des Regisseurs. Sicher nicht negativ gemeint.
Romy: Klischee-Vorstellung! Die ehrliche Romy. Besteht nur aus preußischer Zielstrebigkeit, deutscher Gründlichkeit und sklavischer Unterwürfigkeit vor jeder Autorität. Bin ich wirklich so primitiv?
Laurent: Hat nichts mit Primitivität zu tun. Nur mit nationalem Instinkt. Dein Stammbaum reicht nach Deutschland und Österreich; vielleicht Italien. Von nationalsozialistischem Größenwahn inspirierte Kindheitsträume. Dann Wirtschaftswunder-Gesellschaft. Tiefeingewurzelter, mythischer Glaube an nationale Priorität. Verdrängte Ursprünge. Daraus Romy gewachsen. Selbst geformt. Eigene Urteilskraft. Anderen ausgeliefert. Talente genutzt. Profil, Persönlichkeit entwickelt.
Romy: Manchmal plötzlich visionäre Eingebung. Sehe etwas plastisch vor mir, wie es sein wird. Und manchmal genau so etwas, das gewesen.
Laurent: Okkultistische Zwangsvorstellungen. Nostalgische Träume.
Romy: Kann mit niemandem darüber sprechen. Muss allein damit fertig werden.
Laurent: Andere, visionäre Wirklichkeit. Unerklärlich. Unheimlich.
Romy: Einmal in Hollywood - zufällig - Leinwand-Ikone Steve Mc-Queen im Lift begegnet. Mystische Erscheinung - für mich. Kein Wort gefallen; nur angeguckt. Elektrische Entladung. Blitz aus unwirklich blauen Augen, der mich getroffen. Hat mich verzaubert. Das lässt sich nicht beschreiben und nicht auslöschen. Kommt immer wieder. So bin ich nun mal.
Laurent: Glückliche! Immun gegen modernen Trend zu totaler Kommerzialisierung. Frauen-Phantasie des Ewig-Männlichen! Dir noch erhalten.
Romy: Dunkle Seiten, Unglück. Ergreifen immer mehr von mir Besitz: Angst, Hilflosigkeit wachsen - von Tag zu Tag. Tabletten, Alkohol einziges Gegenmittel. Meine Depressionen und Wutanfälle in der Branche gefürchtet. Zu alt für attraktive Rollen; werde ich nie mehr spielen können?
Laurent: Was sollen die Verzweiflungsausbrüche? Glänzende Karriere hast Du gemacht, bist berühmt, um vieles großartiger als alle die Dir kritisch gegenüberstehen. Affinität, Übereinstimmung mit Figuren zu manifestieren begabt wie niemand sonst ... Bereits zu Lebzeiten zu Legende, Mythos geworden.
Romy: Mythos war ich schon vor meinem zwanzigsten Lebensjahr. Da hat mich Marischka systematisch als süßes, unschuldiges Mädel aufgebaut. Hat mir dann den Sissi-Mythos angehängt. Der ist mir, in Deutschland wenigstens, bis heute geblieben.
Laurent: Erfolg von Sissi beruht einzig auf überragender Darstellungs¬kunst von Romy. Anstelle Sissi müssten die Filme Romy heißen.
Romy: Andere Momente dabei mitgespielt. Massenpsychologische. Fernsehen und Rock’ n’ Roll waren noch nicht in. Sissi-Filme zeigen Oasen des Friedens. Romantik von Hochgebirge, ewigen Wäldern, blühender Heide, des Lebens bei Hof wo alles in Ordnung. Hat bei Alt und Jung verborgene Sehnsucht nach Guter Alter Zeit erweckt und geholfen, Nazi-Greuel, weltweites menschliches Elend, zu verdrängen.
Laurent: Das mag sein. Doch ist es falsch, heute jede Identifikation mit Sissi zurückzuweisen. Sie war Fundament Deiner Karriere als internationaler Star. Hat Dich auf Platz eins der Beliebtheitsskala in Deutschland gebracht, weit vor Ruth Leuwerik und Maria Schell.
Romy: An diese Sissi-Zeit denk ich heute nur mit Gefühlen zurück, die das Gegenteil sind von Stolz: Sauber, naiv, jungfräulich, mädchenhaft. Gestrige, vorgestrige Mädchenerscheinung. Schrecklich! Entsetzlich!
Laurent: Regeneration des romantischen deutschen Mädchenideals in einer desillusionierten Gegenwart.
Romy: Rausch des Irrealen. Ich das Opfer. Meiner Familie und der Regisseure. Nicht zuletzt eigener Eitelkeit. Romy-Sissi im goldenen Käfig eingesperrt. Einstige Faszination dieser Filmerzeugnisse auf das Publikum einfach grotesk, unmöglich, lächerlich.
Laurent: Ohne Dich und Deine darstellerische Magie keine Sissi-, keine Romy-Manie.
Romy: Verschone mich damit!
Laurent: Dein Weg nach oben ohne Sissi ein anderer, viel weniger steiler. Ungeachtet aller Lorbeeren aber hast Du Sissi-Deutschland den Rücken gekehrt; bist nach Frankreich gegangen.
Romy: Aus Sissi-Land nach Paris geflohen und von den Deutschen mit Dreck-Kübeln übergossen.
Laurent: Und in Frankreich? Auch dort bist Du Idol geworden, Talisman. Aber anders als in Deutschland, wo man Dich so sehr als Nationalgut gebrandmarkt hat, dass Dir die Luft zum Atmen benommen worden ist.
Romy: In Frankreich ist das in der Tat ganz anders. Man hat mich mit offenen Armen empfangen. Die Presse ist nicht voreingenommen und die Menschen begegnen mir mit Sympathie. Hier habe ich Sautet getroffen. Er hat meinen zweiten großen Triumph begründet. Ich war seine zeitweilige Geliebte. Heimlich, weil er sich nicht scheiden lassen wollte. Angefangen hat es im Mai 70 in Cannes mit Les choses de la vie. Sautet als Regisseur und ich in der Rolle von Piccolis Geliebter. Mann zwischen zwei Frauen oder Frau zwischen zwei Männern, wie in neunundneunzig Prozent aller französischen Filme. Dreihundert Fotografen. Polizeisondereinheiten kämpfen mir den Weg frei. Tosender Applaus und Zurufe: Qu’ elle est belle! Großartige Kritiken. (Sie deklamiert aus einem auf dem Tisch liegenden Zeitungstext): „Die zeitlos schöne, tiefgründige Romy entfaltet ergreifend und verführerisch die neue Innerlichkeit, die neue Weiblichkeit. Sie hat den Typ einer erschütternden und zwiespältigen Frau geschaffen, die enthusiastisch und glühend, auf jeden Fall aber sehr lebendig ist. Sie ist vor allem ganz Frau. Sie ist eine absolute Schönheit und zudem eine große Schauspielerin. Vierzig Jahre nach Greta und Marlene, fünfzehn Jahre nach Marilyn hat die Leinwand wieder einen großen Star” ... Fünf Filme habe ich mit Sautet gedreht. Sie haben mich in Frankreich zum größten Star dieser Epoche gemacht.
Laurent: Ein neues Kapitel der Filmgeschichte: Die Romy-Epoche. Politische Brisanz und Vielfalt auf der Leinwand. Das hat Furore gemacht.
Romy: Ich habe meine Rollen immer leidenschaftlich, distanzlos gespielt. In Le Train die deutsche Jüdin Anna Kupfer auf der Flucht; in Das alte Gewehr von der SS vergewaltigte und ermordete Französin; in Gruppenbild mit Dame von russischem Kriegsgefangenen schwangere Leni. Den Franzosen hat mein leichter deutscher Akzent imponiert. Sie haben in mir die Verkörperung der deutschen Seele, eine Entente cordiale von deutscher Schwermütigkeit, Tiefgründigkeit und Abgründigkeit mit Pariser Raffinesse und Feminität, zu erkennen geglaubt. Das hat die französischen Männer, diese - durch den aufkommenden Feminismus verunsicherten - Machos, deren wissend-verführerischer Liebling ich geworden, in schwärmerische Ekstase versetzt.
Laurent: Damit, ähnlich wie in Deutschland, Publikumsopfer, Produkt Deiner Fans?
Romy: Kaum. Das französische Filmpublikum ist offener; empfänglicher für Ideen, so lang sie humanitären Anschauungen verpflichtet. Spießig-beschränktes Sissi-Klischee hier als Massenware chancenlos. Dafür ist der kulturelle Publikums-Geschmack zu hoch.
Laurent: Die Presse immer noch Dein großes Problem. Verfolgt sie Dich nicht hier wie dort?
Romy: Mit den Journalisten ist es mir lang genug ergangen wie dem Kaninchen mit der Schlange. Schon vom Anblick dieser Leute so geschockt, dass zu keinem vernünftigen Gedanken fähig. In Wahrheit aber müsste ich den Zeitungen, nicht nur den französischen, sondern auch der bösen deutschen Skandalpresse, sogar dankbar sein. Haben sie doch – unabsichtlich - meinen Star-Ruhm begründet.
Laurent: So gelassen auf einmal? Kürzlich erst hat ein Reporter versucht, unser Hausmädchen zu bestechen!
Romy: Mystische Ausstrahlung sagt man mir nach. Worauf ist das zurückzuführen?
Laurent: Auf das Geheimnisvolle, Hintergründige, das Mona-Lisa-hafte.
Romy: Mona-Lisa-haft. Mysterium meines Erfolgs. Verschlossen muss ich sein. Dadurch interessant. Geschichten werden über mich erfunden. Faszinieren jedenfalls; ob sie lästern oder loben. Faszination einzige Losung. Durch Mona-Lisa-haftes potenziert.
Laurent: Gesellschaftliches Renommee von Massenmedien geprägt. Manipulieren, lügen nach Ermessen, wie es ihnen opportun erscheint.
Romy: Romy-Mythos nichts anderes als mediale Komposition aufregenden, skandalumwitterten, tragischen Privatlebens mit – aus Sissi-Zeit tradiertem - legendären Nimbus, der mich über das Profane weit hinaushebt.
Laurent: Dein Ruf als Diva durch reale Präsenz moralischer Qualitäten voll gerechtfertigt: Gefühl, Spannkraft und - vor allem - Stärke.
Romy: Schmeichler! Vorgetäuschte Stärke. Egomanische Komplexe sind hintergründige Auslöser!
Laurent: Geheimnisumwitterte intellektuelle Kraft; nicht nur für Fans, sondern gesamte Öffentlichkeit. Vor der Kamera angespannte Konzentration, gepaart mit Noblesse und Impulsivität..
Romy: Sag besser: Gespaltene Persönlichkeit. Süchtig, Regisseur, Partner, ganzes Team zu beherrschen; eigene Ideen zu oktroyieren. Kulanz, Kollegialität verachtet.
Laurent: Jacques Dutronc, Dein Film-Ehemann in Nachtblende neben Dir verblasst. Prärogative, als Göttin, Mythos verehrt zu werden, Dir sehr wohl entsprechend. Eines fehlt noch Schwelle zu überwinden, die Dich von Unsterblichkeit trennt.
Romy: Das wäre?
Laurent: Tod.
Romy: Schreckt mich nicht. Mit ihm vertraut. Harrys grauenvolles Ende. Selbst - vor Jahresfrist - gerade noch von der Schippe gesprungen. Davids furchtbares Ende hat meinen Lebensnerv zerstört. Rest ist ruhelos umherirrendes Phantom.
Laurent: Tod nicht Ende. Auferweckung vielmehr; Metamorphose.
Romy: Vergessenheit. Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze!
Laurent: Einzigartige Aussicht des Filmstars, der Nachwelt – in verklärter Gestalt – neu zu erstehen. Spur von Erdentagen – über Äonen hinweg - Gegenwart.
Romy: Abenteuerliche Vorstellung. Filmwerk von Nachwelt verherrlicht?
Laurent: Star, sag ich, sein Ruhm; nicht so sehr das Werk.
Romy: Wie viel?
Laurent: Wenige, die das unerklärliche Etwas in sich tragen.
Romy: Nicht allein im Leben vielleicht, auch im Sterben: Das Plötzliche, Rätselhafte ihres Todes.
Laurent: Blüte ihrer Schönheit, in der sie dahinscheiden.
Romy: Diese Aussicht, wie Du es nennst, grausame Wirklichkeit für mich! Blüte der Schönheit aber passé; genauso wie Quintessenz der Kreativität. Schon zu lang gelebt. Würde gern Theater spielen. Unerfüllbar. Gedanke an viele Menschen treibt mich in Panik. Mir graut aber auch vor Einsamkeit. Kann nicht mehr allein sein! Verfalle in Hoffnungslosigkeit wenn nicht Menschen um mich, die Schlimmstes verhüten.
Laurent: Fehlinterpretation! Deine Laufbahn als lebendes Idol noch nicht einmal im Zenit! Leuchtender, sprechender Blick sagt mehr aus als gesprochenes Wort. Immer wirst Du spielen.
Romy: Immer?
Laurent: Zeit kann Dein Gesicht nicht zerstören; ausdrucksvoller nur gestalten.
Romy: Betrachte mich in Mado. Aufgequollenes, von Tabletten und Alkohol verwüstetes Gesicht unglücklicher Frau. Zwischen Tränen, Selbstvorwürfen und Anschuldigungen schwankend. Kein Hauch von erotischer Ausstrahlung. Stück von mir selbst.
Laurent: Selbst übertroffen; gerade in dieser Szene. Eine der schönsten, die je gedreht. Charme ungebrochen. Alles ausgedrückt, auch das Unsagbare. Erschütternd, ein Wunder!
Romy (wie zu sich selbst sprechend): Menschen durch Charme manipulieren; Geheimnis meines Nimbus als Schauspielerin? Schauspielen wahrer Lebensinhalt! Wenn nicht Schauspielerin, dann minderwertig, überflüssig. Rollen einzigartiges Ventil für Verwandlung; Befreiung von Ängsten, Enttäuschungen. Verwirklichung des geheimnisvollen, magischen Triebes, von einer Sekunde zur anderen in andersartige Gestalt zu schlüpfen.
Laurent: Mysterium allemal, plötzlich Dich in so verwandelter Gestalt zu sehen. Bandbreite von weiblicher Sanftmut zu männlicher Aggressivität..
Romy: Zwang zu Flucht vor mir selbst; Zerrissenheit, Selbstzerfleischung, jähem Stimmungswechsel: Von intimer Vertrauensseligkeit zu wutschnaubender Angst; Liebenswürdigkeit zu unbeherrschten Emotionen. Zugleich eitel und selbstironisch, schamlos und verklemmt, weinerlich schwach und unbesiegbar zäh, chaotisch und diszipliniert; will anerkannt sein, aber nicht belästigt.
Laurent: Persönlichkeitsprägende Charaktermerkmale in Quelle künstlerischen Ausdrucks umgemünzt. Wo bleibt Suche nach Wahrheit?
Romy: In Wahrheit Suchende; immer auf Suche nach etwas Kostbarem, Dauerhaftem, Endgültigem.
Laurent: Was verstehst Du unter dem Endgültigen?
Romy: Stärke, Erotik, Geborgenheit und Zärtlichkeit verbunden mit Bereitschaft, alles zu geben, dafür aber auch alles von mir zu empfangen.
Laurent: Glücklich der es vermag, besagte Vorzüge auf Dauer in sich zu vereinigen. Zweifle, dass es ihn gibt. Den idealen Partner - hast Du ihn jemals gefunden?
Romy: Problematik partnerschaftlicher Beziehungen mir sehr wohl bewusst. Männer erfolgreich mich zu beherrschen oder unterjocht. Herr oder Sklave. Manche beides in verschiedenen Phasen.
Laurent: Rolle der Offiziösität?
Romy: A und O der Kalamität. Liebhaber nur selten selbstsicher genug um Standort in Öffentlichkeit verkraften zu können. Demütiges Verhalten als Kompensation von mir gefordert um sexspezifisches Paschasyndrom auf erträgliches Maß zu dämpfen. Das war schon bei Alain so, dann bei Harry, zuletzt noch bei Daniel.
Laurent: Kategorisierung in Helden oder Sklaven: Solide Basis einer Partnerschaft?
Romy: Bei diesen dreien ganz besonders darum bemüht. Vergeblich: Gegensätze letztlich unüberbrückbar. Von mir als großes persönliches Unglück empfunden.
Laurent: Alains Verrat größte Katastrophe. Harrys berufliches Desaster Hauptursache der Ehe-Tragödie. Daniels durchtriebener Schlauheit warst Du nicht gewachsen. Hättest ihn in ursprünglicher Stellung belassen müssen.
Romy: Schwere Lebenskrise. Nicht mehr verraten und verkauft. Mir das Gefühl gegeben. Mit Freuden eine Frau sein lassen. Gleiche Härte wie Alain, aber dabei auch noch Zärtlichkeit.
Laurent: Schlagen lassen hast Du Dich von ihm! Ihn - und andere - mit teuren Geschenken überhäuft. Unterwerfungsgesten. Psychisch geschädigt haben sie Dich. Angeborene Aggressivität als unweiblich verdrängt. Männlicher Präpotenz, in Wahrheit Angst vor Überlegenheit, Scheingrund gegeben, sich berechtigt zu fühlen Dich erniedrigen zu dürfen.
Romy: Subordination gegenüber dem Männlichen anerzogen. Hängt mit Blatzheim zusammen, bösem Geist meiner Jugendjahre. Seit siebzehntem Lebensjahr von ihm als Ware beliebig verpackt und verkauft.
Laurent: Jugenderfahrung mit tyrannischem Stiefvater. Vorprogrammierung ambivalenten Verhältnisses zu Männern. Goldfasan und Aschenbrödel in einer Person. Daraus Extremverhalten: Brutalität, Selbstentäußerung; alternierend. Pendant des Ersatzvaters bist Du geworden. Psychologisches Phänomen; genauerer Analyse wert.
Romy: Darüber noch nicht nachgedacht. Weiß nur, dass bei Bewertung eines Mannes Persönlichkeit maßgebliches Kriterium.
Laurent: Überbewertung von Persönlichkeit anderes Extrem. Groteske Auswirkungen in bestimmten Fällen..
Romy: Kann sich bis zu kultischer Verehrung steigern. Mein Steckbrief: Schikaniere Männer, die von mir versklavt; unterwerfe mich solchen, die Format besitzen. Auch im Beruf. Visconti etwa oder Welles; bei diesen fast Selbstaufgabe.
Laurent: Die Presse sagt Dir mit betagteren Herren Reihe von Affären nach. Unter anderen mit Jürgens, Karajan, Brandt und Böll.
Romy: Typischer Schwachsinn der Journaille. Erotisch nie zu großen alten Männern hingezogen; wohl aber zu ihrem Geist. Brandt zum Beispiel ist großartiger, wunderbarer Mann, Zeitungsenten mir egal.
Laurent: Anprangerung auch, wie nach ganz spezieller Talkshow?
Romy: Rein erfundener Skandal nach Talkshow bei Dietmar Schönherr über Nacht, die ich bei dem Erfolgsautor, Ex-Bankräuber Burkhard Driest verbracht haben soll? Darüber kann ich heute nur noch lachen!
Laurent: Damals warst Du nicht so cool. Zu Schönherr geäußert, dass Dich Deine Landsleute förmlich hassen und Alice Schwarzer geklagt, in Deutschland würdest Du kaputt wegen Paparazzi, die Dich auf Schritt und Tritt hetzten.
Romy: Deutsche Journaille. Unglaublich freche Dummheit dieser Sorte Schwein; Menschen sind das keine.
Laurent: Im Prozess in allen Punkten recht bekommen. Verlag Zeche bezahlt. Groteske, die Karriere in Frankreich nur genützt.
Romy: In Frankreich, als das passiert, schon längst bekannt, berühmt.
Laurent: In Deutschland Böll Dein Bezugspunkt. Persönlichkeit von der Du fasziniert.
Romy: Herausforderung, der ich nicht hab’ widerstehen können. Kann’s nicht leugnen.
Laurent: Schwachheit einer Frauenfantasie.
Romy: Unverzeihlich?
Laurent: Von französischem Romy-Rummel unbeeindruckt - obgleich mit Dir politisch doch konform!
Romy: Böll deutscher Intellektueller für den ich - in seiner Isolation gegenüber französischen Medien - noch immer Ex-Sissi gewesen.
Laurent: In Frankreich damals schon am Höhepunkt Deines Ruhms. Honorar für Gruppenbild eine Million Mark!
Romy: Wahr ist, dass ich Böll angehimmelt; blödsinnige Briefe geschrieben, die er aber nie bekommen. Jeder bessere französische Autor in so einem Fall überglücklich, mit Schauspielerin wie Romy Schneider sprechen zu dürfen. Nicht aber Herr Böll.
Laurent: Stimmt es, Romy, dass er dann, als er Dich endlich doch zu empfangen geruhte, ganz leger gewesen? Über Amoralität des Kriegs, Film und Politik, vier Stunden mit Dir diskutiert und diese Nacht mit Böll für Dich wichtigste Zeit in Deutschland?
Romy: Nein, gelogen! Kann eben auch lügen, wenn’s mir passt. Widersprüchliches, Schizophrenes, Realitätsverlust in mir. Zwei Romys; unterschiedliche Persönlichkeiten: Fleißig, ehrlich, anständig, pünktlich, dann wiederum verlogen, verbiestert, widerwärtig, egomanisch. In Wirklichkeit nie mit mir zufrieden. Beschämung, dass nie Meisterwerk hervorgebracht. Verlogenheit macht mich - in eigenen Augen - zu Unperson. Unfähig, davon frei zu machen und wenn, dann immer nur für kurze Momente.
Laurent: Mache Dich nicht selbst herunter! Du hast wahrhaftig keinen Grund dazu.
Romy: Werde auch nie jemandem erzählen, mit wie viel Männern ich geschlafen, obwohl jedem Regisseur bekannt, dass mir Gigolo zur Verfügung stehen muss, um mich bei Laune zu halten.
Laurent: Du kannst nicht leben ohne Männer?
Romy: Nein, ich kann nicht leben ohne sie. Aber auch mit ihnen nicht! Das liegt an mir selbst, meiner Einstellung zu Liebe und Zusammenleben. Auch Daniel, meinen zweiten Mann, gebraucht, weil ich nicht auf Dauer ohne Partner leben kann, der mir gehört, mein Besitz ist. Selbst dann, wenn er mich hintergeht. Muss mir er gehören, vor allem im Bett. Das erst gibt mir Sicherheit. Weißt Du selbst am besten, Laurent. So lang Daniel jeden Abend zu mir zurückgekommen, die Nacht mit mir verbracht, hab ich auf seine Eskapaden gepfiffen.
Laurent: Gleichgültig was er tagsüber getrieben. Weiberaffären, immer neue Ferraris, Yachten, Reisen auf Deine Kosten haben Dich scheinbar nicht berührt obwohl sich ganz Paris darüber das Maul zerrissen hat. Aber bei Dreharbeiten zu Die zwei Gesichter einer Frau in Pavia Angstzustände. Betrunken bis zur Bewusstlosigkeit, arbeitsunfähig. Man musste ihn herantelefonieren um Dich so weit wiederherstellen zu können, dass der Film zu Ende gedreht werden konnte.
Romy: Ich habe schließlich mein Konto, über das er unbeschränkte Vollmacht hatte, geräumt, sonst hätte er mich noch schamloser ausgebeutet und ruiniert als es bis dahin bereits geschehen. Gleichzeitig habe ich die Scheidung eingereicht.
Laurent: Zurückgelassen hat er Dir furchtbare Finanz- und Steuermisere. Blatzheim und Harry haben Steuerangelegenheiten für Dich erledigt. Daniel wäre - als Dein Sekretär - dazu verpflichtet gewesen. Hat aber nichts dergleichen getan, weil er seine enormen Privatausgaben Deinem Einkommen steuerlich nicht plausibel anlasten konnte.
Romy: Ich habe in meinem Leben unerhört hart gearbeitet und sehr viel Geld verdient. Wie viel insgesamt, darüber keine blasse Vorstellung. Wohin das Geld verschwunden gleichfalls nicht. Weiß nur, dass - mit Ausnahme von Delon - alle Männer, von Blatzheim bis Biasini, bei mir abkassiert.
Laurent: Tatsache ist, dass auf Deinem Züricher Konto gerade noch gut 2.000 Franken disponibel. Französischer Fiskus erkennt Schweizer Wohnsitz und Vertragsverhältnis mit Schweizer Vermögensverwalter nicht an und fordert nicht nur gigantische Nachzahlungen sondern auch Steuerstrafe wegen versuchter Hinterziehung. Prozess beim Höchstgericht läuft; Ausgang ungewiss.
Romy: Schweizer Anlageberater, zu dessen Klientel doch zahlreiche international bekannte Künstler zählen, blind vertraut. Ahnungslos, dass Erklärung nicht akzeptiert, Firma als Scheingesellschaft zur Umgehung steuerlicher Verpflichtungen apostrophiert.
Laurent: Von Harry kolportierte Gerüchte, dass Dein Vermögen, allein aus Sissi-Jahren, über zehn Millionen Mark betragen haben soll!
Romy: Blatzheim vor Ehe mit Harry gewarnt. Bezichtigte ihn schrankenloser Besitzgier. Harry artikulierte schlimmste Verdächtigungen gegen Blatzheim wegen Filmgagen aus Fünfziger- und Sechzigerjahren. Streit um mein Vermögen widerlich. Weiß nur, dass dieses Geld auf Schweizer Konten transferiert und dort von Blatzheim verwaltet.
Laurent: Dein Desinteresse an Geld wahrhaft einer Lady würdig. Schützt Dich nicht vor Nachstellungen des Fiskus. Zeitungsmeldungen aufgrund Harrys Anschuldigungen Leckerbissen. Modenrechnungen von jeweils mehr als hunderttausend France bei Chanel, Faible für – in großen Mengen eingekaufte - alte Goldketten, provozieren zusätzliches fiskalisches Interesse.
Romy: Kritik an Toilettenaufwand? Lächerlich! Pervers! Stehe im Blickpunkt der Öffentlichkeit; laufende Repräsentationsverpflichtungen! Mein Einkommen sollte doch wohl, bitte sehr, ausreichen, Mindestauslagen zur Befriedigung essentieller Bedürfnisse zu bestreiten!
Laurent: Du hast seit Anfang der Siebzigerjahre durchschnittlich eine Million Francs pro Film, mit steigender Tendenz, an Gagen erhalten; im Jahr bis zu fünf Filme gedreht. Schwer vorstellbar, dass damit verdientes Geld - unbeschadet großzügigen Lebenswandels – verbraucht. Es sei denn mit freundlicher Hilfe einiger Herren, die wenig Interesse zeigen, Identität zu lüften.
Romy: Zeit meiner höchsten künstlerischen Produktivität. Bis zum Umfallen gearbeitet. Männerbekanntschaften, die möglicherweise Geld gekostet und wie viel? Kann’s Dir beim besten Willen nicht mehr verraten.
Laurent: Sechs Autos, noch auf Daniels Namen zugelassen, Porsche, Rolls-Royce, Ferrari, Jaguar, Cadillac, Range Rover, nicht weniger Untersuchungsgegenstand als Wohnsitz in Zürich, wo Du unter dem Namen Rosemarie Albach gemeldet. Auch etwa Dir gehörige Wertpapier-Depots, zwei Briefkastenfirmen in Liechtenstein, die alle Fernsehrechte an den Sissi-Filmen besitzen, und Dein Anteil an der Hongkong Trade Company, mit dem Sitz auf Cayman Islands, haben Interesse der Steuerfahnder erweckt
Romy: Kann darüber keine Auskunft geben, Laurent. Um finanzielle Details nie gekümmert. Künstlerische Tätigkeit lässt mir für solche Dinge keinen Spielraum ... Seit der Trennung von Daniel wohl Verwirrung.
Laurent: Du stehst im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses; warst und bist gefragtester Filmstar Frankreichs. 1974 für Rolle der Nadine in Nachtblende erstmals den César erhalten.
Romy: Diese Rolle besonders geliebt! Hineinversenkt in sie wie selten eine andere.
Laurent: Trotzdem - schon mit Rücksicht auf schwebendes Finanzverfahren - dringend erforderlich, Soll und Haben abzuklären!
Romy: Hemmungslose Gier nach materiellem Profit primitiv. Immer schon zutiefst verhasst. Höhe der Gage uninteressant. Ob ich bei Film mitmache oder nicht entscheide ich instinktiv, Coup de coeur, nachdem auf Drehbuch, Regisseur, Hauptdarsteller, eigene Rolle eingestellt. Finanziellen Teil überlasse ich Liví, den ich - gepeinigt von Schuld-Trauma, das mich Tag und Nacht verfolgt – niemals zu Lizitationen animiere. Versuche, im Gegenteil, seine Forderung zu mäßigen.
Laurent: Dein Edelmut, Romy, ist bewundernswert. Hoffe, dass Conseil d’ Etat Einstellung würdigt, zu Deinen Gunsten entscheidet.
Romy: Der Kauf des Landhauses in Boissy sans Avoir geht aber doch jedenfalls in Ordnung?
Laurent: Wie Du weißt, wurde Vorfinanzierung dieses Hauses vor drei Wochen - anlässlich letzten Gesprächs mit dem Vermögensverwalter in Zürich - zugesagt. Sehe hier also keine Schwierigkeit. Um zu verhindern, dass französischer Fiskus seine Hand auch auf dieses Haus legt, habe ich den Kaufvertrag auf meinen Namen ausstellen lassen. Du hast dazu Deine schriftliche Einwilligung gegeben.
Romy: Habe ich das?
Laurent: Jawohl, das hast Du.
Romy: Laurent, ich muss Dir noch etwas sagen. In der Nacht nach dem Gespräch in Zürich habe ich mein Testament verfasst und bei meinem Anwalt hinterlegt. Verfügt, dass mein gesamter Besitz Dir und Sarah gehören soll. Ich verlasse mich auf Deine Treue, Laurent. Ich will, dass meine Tochter in Boissy eine Heimstatt findet ... Und ich habe den Wunsch, dort meine letzte Ruhestätte zu finden.
Laurent: Dein Wille wird mir immer heilig sein, Romy. Doch wollen wir uns jetzt nicht an Dinge klammern, die noch in ferner Zukunft liegen. Pflege Deine Gesundheit; lass ab von zu viel Arbeit und übermäßigem Drogenkonsum. Dann wirst Du noch lang leben.
(Laurent zieht Romy sanft an sich und umarmt sie.)
Laurent: Komm, lass uns jetzt schlafen gehen. Nachdem Du nun endlich geordnete Verhältnisse in Deinem Privatleben geschaffen hast wird das Ende des Tunnels bald erreicht sein.
Romy (sich von ihm lösend): Ich hoffe es, Laurent. Geh Du zu Bett. Ich muss noch diesen Brief schreiben, dann komme ich nach.
Laurent: Dann also: Bis gleich.
Romy: Adieu.
Laurent: Warum Adieu?
(Romy schweigt. Laurent ab.)
