Ewiges Leben

Porträts & Exposés


Deutsche in Afrika


Entstanden 2015, dokumentiert diese erlesene Prosa  aus der Feder eines verschollenen Kärntner Literaten, wozu die Tiefe der Provinz mit ihrer hemmungslosen Kraft fortgesetzter Verdrängung des Verbrechens fähig ist. Zugleich verschweigt das Nicht-Erscheinen des kleinen Buches einen der schäbigsten Literaturbetrugsfälle aus der tiefsten Provinz.
 

In dem Beitrag für unseren Literaturwettbewerb mit dem Titel „Deutsche in Afrika“ von dem aus der Gemeinde Griffen stammenden, in Graz Jus studierenden Gregor Keuschnig, Jahrgang 1992, geht es um die Obsessionen zweier Brüder aus einem Dorf in Kärnten, genauer an der Saualpe gelegen. Es sind bitte postkoloniale Obsessionen, geerbt, so erklärt es der Ich-Erzähler am Text-Eingang, vom Großvater, einem afrikareisenden Landtierarzt. Geschildert wird eine Episode, in der die beiden pubertierenden Jungen auf einer Zeltreise nach Frankreich mit afrikanischen Mädchen ihre ersten sexuellen Erlebnisse haben, sodann eine Dorfhochzeit auf der Saualpe mit afrikanischer Beteiligung. Der ältere der beiden Brüder, „Karli“, später nur mehr „Karl“ genannt, der dem Großvater im Beruf des Dorftierarztes nachgefolgt ist, heiratet eine Afrikanerin. Diese verlässt ihn nach kurzer Ehe abrupt. In der Fantasie des jüngeren Bruders und Ich-Erzählers, der als Religionslehrer in der Kleinstadt Völkermarkt eine bürgerliche, aber offenbar unbefriedigte Existenz als Familienvater führt, begibt sich Karl auf die Suche nach seiner außergewöhnlich schönen Frau aus der Volksgruppe der Tutsi in Ostafrika in afrikanische Staaten, die in der Zeit vor und während des Ersten Weltkriegs deutscher Kolonialbesitz waren. Während Karl auf der Suche nach seiner Frau in Kenia, Uganda, Tansania und Ruanda, – alles bitte in der Vorstellung des jüngeren Bruders – in eine surreale Retro-Welt kippt, in die Zeit vor 1918, mit dem Großvater als Kolonialherrn, und am Ende dort verkommt, wird der Ich-Erzähler am Ausgang des Preistextes von den medialen Bildern der aktuellen Fluchtkatastrophe im Mittelmeer überschwemmt und kollabiert seinerseits. 

 


 

Inhalt

 

  • Die Entscheidung der Jury  ‒  Aus dem Sitzungsprotokoll der Jury vom 24. September 2012 ‒ Mag. Krista Cranzelbinder
  • Der Preistext
  • Deutsche in Afrika. Novelle.  Der emendierte Text
  • Mutmaßungen über Gregor  ‒ Nachwort des Herausgebers